2 Aussprache¶
Es geht um mehr als ‚das gerollte R‘¶
„He aprendido español en la escuela.“ – Klingt gut auf dem Papier, aber hört es sich auch gut an? Anders als beim Französischen gilt die Aussprache des Spanischen als leicht und wird dennoch häufig vernachlässigt. Dabei kennt jeder den Unterschied zwischen einer guten und einer ‚typisch deutschen‘ Aussprache. Wer zielsprachennah ausspricht, wirkt kompetenter und täuscht sogar über manchen Fehler in Grammatik oder Wortschatz hinweg (vgl. Kapitel Fehlerlinguistik). Darüber hinaus wirkt sich eine fundierte Aussprache auch positiv auf das Hörverständnis aus. Da die Vermittlung von Aussprachekompetenzen nicht nur praxisnah, sondern auch besonders anschaulich sein kann, spricht einiges dafür, ihr im Unterricht etwas mehr Raum zu geben.
In diesem Kapitel geht es nun darum, wie ein solider linguistischer Zugriff zu einem besseren Ausspracheunterricht beitragen kann. Das bedeutet nicht, dass wir hier im Folgenden eine vollständige Phonetik und Phonologie des Spanischen bieten wollen (dafür gibt es schon gute Lehrbücher, s.u.); vielmehr konzentrieren wir uns auf diejenigen Aspekte der wissenschaftlichen Phonetik und Phonologie, die unmittelbar benötigt werden, um mit den Herausforderungen des Ausspracheunterrichts professionell umzugehen. Darüber hinaus bieten wir anschauliche – und hörbare – Beispiele, Beispielszenarien und Links zu nützlichen Ressourcen, die Du auch im Unterricht verwenden kannst.
Welche Herausforderungen beinhaltet der Erwerb einer soliden Aussprachekompetenz? Wenn wir vom Deutschen ausgehen, lassen sich drei Bereiche unterscheiden: Laute, die im Spanischen anders artikuliert werden als im Deutschen (v.a. die R-Laute), Laute, die ganz neu zu erlernen sind (z.B. /ɲ/, /θ/), und Fälle, in denen ein Graphem keinen Lautwert besitzt (das stumme <h>) oder zwei Grapheme denselben Laut abbilden (<b> und <v>). Dabei soll nicht außer Acht gelassen werden, dass manche Lernende eine andere Erstsprache als Deutsch mitbringen: Was für die einen eine Hürde ist, kann für andere eine Leichtigkeit sein – und umgekehrt (vgl. Kapitel Herkunftssprachen).
Aussprache linguistisch fundiert zu unterrichten umfasst darüber hinaus aber auch die Herausforderung, kompetent mit Fragen der Variation, der Norm und manchmal mit Klischees oder (dummen) Vorurteilen umzugehen: Wie klingt das Spanische eigentlich in den verschiedenen Ländern? Was ist der seseo? Wo wird <ll> heute noch als /ʎ/ ausgesprochen? Muss die für Madrid oder Salamanca typische Aussprache unterrichtet werden? Ist die Aussprache Chiles weniger korrekt? Muss man als Lehrkraft und müssen die Schüler:innen den Interdental /θ/ erlernen und verwenden? Oder umgekehrt: Kann man auch die Aussprache eines amerikanischen Landes lehren und lernen? All diese wichtigen Fragen, die sich um Variation und konkrete Aussprachevarianten drehen, behandeln wir separat im Kapitel Aussprachevariation.
Laute des Spanischen: Herausforderungen¶
Im Vergleich mit dem Deutschen ist das Lautinventar des Spanischen sogar etwas übersichtlicher. Die Vokale können wir hier in wenigen Zeilen abhandeln, zu den Konsonanten kommen wir gleich etwas ausführlicher.
Die fünf Vokale /a e i o u/ sind in beiden Sprachen fast identisch, die kleinen Unterschiede werden leicht überhört: So werden die spanischen Vokale immer gespannt ausgesprochen (z.B. isla [isla]), wohingegen es im Deutschen auch ungespannte Vokale gibt, wie die Gegenüberstellung von bieten [ˈbiːtn̩] und bitten [ˈbɪtn̩] zeigt. Wer sp. ilegal als [ɪleˈɣal] statt zielsprachlich [ileˈɣal] ausspricht, wird das mit einem „deutschen Akzent“ assoziieren.
Einen weiteren Fall von ‚deutschem Akzent‘ vernimmt man, wenn Lernende die spanischen Diphthonge /je/ (wie in tierra) und /we/ (wie in puerta) über zwei Silben verteilt aussprechen, also einen sogenannten Hiat artikulieren. Am Wort fuego lässt sich das gut beobachten: Im Unterricht sollte man auf die Aussprache [ˈfwe.ɣo] achten, während man es in der deutschen Jugendsprache oft als [fu.ˈe.go] hört.
Ein Grund dafür, warum das Deutsche oft als ‚abgehackt‘ empfunden wird, liegt darin, dass vor Vokalen am Wort- und Silbenanfang ein Knacklaut (Glottisverschluss) [ʔ] artikuliert wird – im Spanischen jedoch nie. Vergleiche etwa dt. die Ente [di.ˈʔɛn.tə] mit sp. si entiendo bien [si.en.ˈtjen.do.βjen].
Hör mal (Vokale am Wortanfang)
Anhand der folgenden Audios kannst Du die Aussprache der Sequenz o hay (z.B. in Äußerungen wie ¿Está bien o hay un problema?) eines Modellsprechers und einer Lernenden vergleichen:
Zielaussprache:
[o.ˈai]Lernendenaussprache:
[ʔo.ʔai]Audios aus MAR.ELE
Sobald man Lernende für diese Details sensibilisiert hat, lässt sich bei den Vokalen rasch eine nahezu zielsprachliche Kompetenz erreichen. Etwas größere Herausforderungen liegen dagegen im Bereich der Konsonanten.
Anders artikulierte Laute: R-Laut(e)¶
Sowohl das Deutsche als auch das Spanische verfügen über mehrere R-Laute. Im Deutschen ist es dabei nicht relevant, wie man das Phonem /r/ ausspricht, ob als uvularen Frikativ [ʁ] (also einen Reibelaut, der am Zäpfchen entsteht), wie er im Standarddeutschen normal ist, als alveolaren Vibranten [r], wie im südlichen Sprachraum, Österreich und der Schweiz, oder auch als sogenanntes Tiefenschwa im Auslaut wie in Lehrer [ˈleːʁɐ]. Phonologisch betrachtet handelt es sich um bloße Varianten desselben Phonems, sogenannte Allphone.
Hör mal (/r/)
Vergleiche /r-/ am Wortanfang und /-r/ am Ende in reír:
Zielaussprache:
[re.ˈiɾ]Lernendenaussprache:
[ʁe.ˈɪɐ]Audios aus MAR.ELE
Im Spanischen werden die R-Laute dagegen immer vorne am Zahndamm durch Zungenschlag bzw. -vibration gebildet. Je nach Herkunftsregion (z.B. Süddeutschland) und Erstsprache (Deutsch oder eine Herkunftssprache) fällt es Lernenden leichter oder schwerer, die spanischen R-Laute zu artikulieren. Wenn vom ‚gerollten R‘ als Herausforderung die Rede ist, gilt das in erster Linie im Vergleich zur standarddeutschen Aussprache. Unabhängig davon ist zu beachten, dass das Spanische zwei ‚gerollte‘ R-Laute besitzt – ein einfaches /ɾ/ und ein mehrfach vibrierendes /r/ – die in bestimmten lautlichen Kontexten bedeutungsunterscheidend sind und somit den Status eigenständiger Phoneme haben. Der Kontrast wird besonders deutlich in (Minimal-)Paaren wie pero [ˈpeɾo] und perro [ˈpero] oder caro [ˈkaɾo] und carro [ˈkaro]. Dieser Unterschied ist allerdings nur innerhalb von Wörtern relevant, in allen anderen Positionen gibt es nur Präferenzen für bestimmte Varianten: Zielsprachlich normal – und mit fortgeschrittenen Schüler:innen einzuüben – ist das mehrfache Vibrieren am Wortanfang, während am Wortende einfaches Anschlagen der Zungenspitze üblich ist (Erstsprachler:innen vibrieren nur in besonders emphatischer Rede mehrfach). Die Orthographie spiegelt also nur den relevanten Unterschied im Wort wider und bildet die übrigen Feinheiten nicht ab (vgl. Orthographie).
Tipp: Das spanische R einüben
In ihrer Artikulation ähneln sich die spanischen Vibranten viel eher dem deutschen [d] oder [t], da die Zungenspitze ebenfalls den Zahndamm berührt und dort zusätzlich eine Vibration erzeugt. Um dies zu üben, kann man sich beim spanischen Wort claro zunächst ein <d> statt des <r> vorstellen – also clado – und versuchen, dieses <d> zunehmend schneller auszusprechen. Mit etwas Übung löst sich der Verschluss am Zahndamm dabei so schnell, dass eine Vibration entsteht.
Neu zu erlernende Laute¶
Neben Lauten, die im Deutschen anders artikuliert werden als im Spanischen, besitzt das Spanische auch einige wenige Laute, die im Deutschen gar nicht vorkommen. Hierzu gehört der umgangssprachlich als ‚Lispellaut‘ bezeichnete Interdentallaut /θ/, der mit der Zungenspitze zwischen den Schneidezähnen artikuliert wird. Lernende werden ihn bereits kennen, denn er entspricht dem stimmlosen th des Englischen, wie in think. Im Spanischen ist er allerdings nicht universell: Er gehört zwar zur Aussprachenorm Spaniens, wird jedoch fast ausschließlich in Zentral- und Nordspanien verwendet. Ansonsten kommt er in der spanischsprachigen Welt nirgendwo vor und stellt somit global betrachtet nur die Aussprache einer Minderheit der spanischsprechenden Menschen dar (vgl. Karte und Zahlen). Mehr dazu und zu der Frage, wie man damit im Unterricht umgeht, liest Du im Kapitel Aussprachevariation. Sprecher:innen, die zwischen /s/ und /θ/ unterscheiden (z.B. casa vs. caza), werden als distinguidores bezeichnet. Die Mehrheit, die keinen Unterschied macht und nur das Phonem /s/ kennt (Teile Spaniens und ganz Hispanoamerika), werden dagegen als seseantes bezeichnet, das Phänomen als seseo (mehr dazu hier). Für den Unterricht ist dabei zentral, dass der seseo in der gesamten spanischsprachigen Welt als genauso korrekt gilt wie die Unterscheidung.
Ein weiterer ‚neuer‘ Konsonant im Spanischunterricht ist der am harten Gaumen gebildete Palatallaut /ʎ/, der in der Schrift mit <ll> wie in caballero wiedergegeben wird. Die Aussprache ist für deutschsprachige Lernende unproblematisch, da man sich die Aussprache der Buchstabenkombination <lj> vorstellt oder an die Aussprache von it. <gli> in Tagliatelle denkt, die dem spanischen Laut sehr nahekommt. Wichtig ist allerdings der Hinweis, dass dieser Laut im heutigen Spanisch kaum noch vorkommt – auch nicht in Zentral- und Nordspanien und auch nicht bei gebildeten Sprecher:innen. Man hört ihn eigentlich nur noch in bestimmten ländlichen Gegenden Spaniens oder in der Anden-Region Südamerikas, v.a. Bolivien (dort bedingt durch den Einfluss indigener Sprachen). Die phonologische Unterscheidung zwischen /ʎ/ und /ʝ/, etwa in Wortpaaren wie pollo ‘Hühnchen’ und poyo ‘Steinbank’, spielt also heute praktisch keine Rolle mehr. Beinahe überall hat sich der yeísmo, also die Neutralisierung zugunsten des /ʝ/ (in etwa wie /j/ in dt. ja), durchgesetzt. In der Schreibung muss man dennoch wissen, wann <ll> und wann <y> geschrieben wird – Orthographien sind konservativer.
Ein spanischer Laut, der dagegen das Spanische der gesamten Hispanophonie kennzeichnet, ist das sogenannte eñe [ɲ], das durch den für das Spanische typischen Buchstaben <ñ> repräsentiert wird. Die Aussprache stellt keine große Herausforderung dar: Man stellt sich die Buchstabenfolge <nj> vor und liegt in der Artikulation nah am Spanischen, wo er jedoch als einzelner Konsonant realisiert wird. Alle anderen romanischen Sprachen besitzen diesen Laut ebenfalls (mal mit <gn> geschrieben wie in it. Gnocchi oder fr. Bretagne, mal mit <nh> wie in pt. Piranha).
Ein letzter Fall betrifft den stimmlosen Reibelaut /x/, der den Graphien <g> (nur in <ge> und <gi>) sowie <j> entspricht. Im Deutschen ist dieser Laut bekannt, wird dort jedoch mit der Schreibung <ch> assoziiert. Das Phonem wird im Deutschen kontextabhängig an unterschiedlichen Stellen im Mundraum artikuliert: vorne als [ç] in ich, weiter hinten als [x] in och und ganz hinten als [χ] in ach – eine Abstufung, die sich artikulatorisch gut nachvollziehen lässt, wenn man die drei Wörter nacheinander ausspricht. Im Spanischen kommen ähnliche Varianten vor, allerdings hängen sie dort nicht vom lautlichen Kontext ab, sondern sind jeweils typisch für bestimmte regionale oder nationale Varietäten (mehr dazu im Kapitel Aussprachevariation). Für deutschsprachige Lernende liegt die Herausforderung also weniger in der Artikulation als in der ungewohnten Zuordnung von Laut und Schriftbild.
Kontextabhängige („mal so, mal so“) Laute¶
Wer Lernende zu einer besonders zielsprachlichen Kompetenz führen möchte, muss sich etwas mehr mit kontextabhängiger Variation auseinandersetzen. Wir haben bereits gesehen, dass die R-Laute je nach Position im Wort unterschiedlich artikuliert werden; die Laute /b d g/ weisen ebenfalls eine markante Allophonie auf, die den Unterschied zwischen einem ‚deutschen Akzent‘ und einer typisch spanischen Aussprache ausmacht. Fortgeschrittene Lernende sollte man auf jeden Fall dafür sensibilisieren, dass die Aussprache als ‚hartes‘ [b d g] in bebedor, olvidar und amigo sehr ‚deutsch‘ klingt und die drei Konsonanten hier stattdessen ‚weicher‘, nämlich als sogenannte Approximanten [β ð ɣ], artikuliert werden: [beβeˈðoɾ], [olβiˈðaɾ] und [aˈmiɣo].
Hör mal (/b d g/)
Vergleiche die Artikulation der Phoneme /b/ und /d/ in el bebedor:
Zielaussprache:
[el.βe.βe.ˈðoɾ]Lernendenaussprache:
[el.be.be.ˈdoɐ]Vergleiche die Artikulation des Phonems /g/ in con agua:
Zielaussprache:
[ko.ˈna.ɣwa]Lernendenaussprache:
[kon.ˈa.gwa]Audios aus MAR.ELE
Die Kontextregel hinter dieser zielsprachlichen Aussprache der stimmhaften Plosive /b/, /d/ und /g/ ist, dass diese nur am Wortanfang und nach einem Nasallaut (/m/ oder /n/) wie im Deutschen realisiert werden. In allen anderen Positionen werden sie stattdessen als stimmhafte Approximanten [β ð ɣ] artikuliert. Der Unterschied zu [b d g] liegt nur darin, dass hier kein vollständiger Verschluss beim Artikulieren gebildet wird, sondern man nur annähert (daher die Bezeichnung Approximanten), sodass fast Reibelaute (Frikative) entstehen. Die Artikulation wirkt daher etwas ‚weicher‘ und nicht so ‚explosiv‘ wie bei den Verschlusslauten (oder Plosiven).
Für den Schulunterricht wird es übrigens genügen, dass man die Regel darauf reduziert, dass man ‚weicher‘ ausspricht, sobald die Laute zwischen Vokalen vorkommen (also intervokalisch). Einüben sollte man das auch im Kontext, wenn ein mit /b d g/ beginnendes Wort direkt auf einen Vokal folgt wie in Juana lo busca, lo dijo, te gusta.
Wie artikuliert man [β ð ɣ]?
[β]: Klingt wie ein weiches [b], nur ohne vollständigen Verschluss der Lippen (niemals als [v] wie in dt. Wasser!). Dieser Laut entsteht, wenn man bei der Aussprache des /b/ eine kleine Öffnung zwischen den Lippen freilässt, sodass Luft entweichen kann. Beim Vorhalten der Handfläche sollte ein leichter Lufthauch spürbar sein.
[ð]: Entspricht dem stimmhaften englischen th-Laut, wie er in the, this oder mother vorkommt (nicht zu verwechseln mit dem stimmlosen th in think). Die Zunge liegt locker an den oberen Schneidezähnen an, ohne vollen Verschluss.
[ɣ]: Dieser Laut erinnert an eine Mischung aus dem deutschen Ach-Laut [x] und einem ‚harten‘ [g]. Der Zungenrücken wird dabei wie beim [g] an den weichen Gaumen (Velum) geführt, allerdings ohne vollständigen Verschluss. Stattdessen entsteht durch eine leichte Annäherung Reibung, die jedoch deutlich schwächer als beim Ach-Laut ist. Wenn man agua ganz schnell aussprechen lässt, entsteht er fast automatisch.
Kein(e) Laut(ung)¶
Nicht jedes Graphem hat im Spanischen einen Lautwert. Das <h> ist immer stumm – ein reiner Anfängerfehler ist es, hay mit hörbarem [h] auszusprechen oder hola wie dt. holen zu beginnen. Dass geschriebene Buchstaben nicht automatisch einen Laut abbilden, ist für Lernende, die an die relativ regelmäßigen Graphem-Laut-Zuordnungen des Deutschen gewöhnt sind, zunächst irritierend (vgl. Kapitel Fehlerlinguistik). Ebenso gilt, dass <b> und <v> im Spanischen denselben Lautwert besitzen (/b/) – ein Unterschied, der nur in der Schrift existiert und im Kapitel Orthographie ausführlicher behandelt wird.
Zusammenfassung
Die spanischen Vokale sind eher unkompliziert: Nur bei den Diphthongen ist auf die Aussprache ohne Lauttrennung zu achten. Die zentralen Herausforderungen für Deutschsprachige betreffen die Konsonanten:
Einfaches /ɾ/ (z.B. pero) und gerolltes /r/ (z.B. perro) weisen nur im Wort eine Opposition auf; am Wortanfang und -ende sind es nur Varianten. Unter den ‚neuen‘ Lauten stellt nur der Interdentallaut /θ/ (wie in cinco und vergleichbar mit engl. th) eine Herausforderung dar, das palatale /ɲ/ (<ñ> wie in año) sowie das /ʝ/ (graphisch durch <ll> oder <y> abgebildet) eher weniger. Für fortgeschrittene Lernende ist die kontextabhängige Aussprache der Konsonanten /b d g/ im Zusammenhang mit Vokalen als Approximanten [β ð ɣ] (nicht als Verschlusslaute wie im Deutschen) relevant. Dass <h> stumm bleibt und <b> und <v> denselben Lautwert besitzen, ist dagegen meist nur Anfänger:innen zu erklären.
Ein linguistisch fundierter, kontrastiver Blick zum Deutschen hilft, diese essenziellen Unterschiede gezielt zu trainieren und führt schnell zu (nahezu) zielsprachlicher Aussprachekompetenz. Schüler:innen mit anderen Herkunftssprachen bringen hier oft andere Voraussetzungen mit – ihre spezifischen Vorteile und Herausforderungen werden im Kapitel Herkunftssprachen behandelt.
Wer mehr wissen will ...
Als das Standardwerk zur Phonetik und Phonologie des Spanischen – neben älteren Referenzen wie Quilis (1993) – gilt heute Band 3 der Nueva gramática de la lengua española (RAE/ASALE 2011). Es spiegelt in seiner umfassenden und äußerst detaillierten Darstellung nicht nur den aktuellen Forschungsstand wider, sondern berücksichtigt auch die Aussprachevariation in der spanischsprachigen Welt. Übersichtlicher und zugänglicher sind die deutschsprachigen Einführungen in das Gebiet von Kubarth (2009), Pustka (2021) und Gabriel/Meisenburg/Selig (2025). Letztere enthält in der zweiten Auflage auch ein Kapitel zum Spanischen „als Fremdsprache im deutschsprachigen Kontext“.
Eine Vertiefung der Vermittlung der Aussprache des Spanischen als Fremdsprache mit konkreteren Tipps für die Umsetzung im Unterricht bieten Gil Fernández (2007), die Beiträge in Gil Fernández (Hg.) (2012) und nicht zuletzt Reimann (2016). Benet/Pesková (2017) zeigen deutlich, wie man eine zielsprachliche Aussprache vermitteln kann.
Anschauungsmaterial für die Aussprache des Spanischen als Fremdsprache und den Kontrast zur zielsprachlichen Aussprache bietet das MAR.ELE-Korpus (Tacke 2023ff.). Dort wird die Möglichkeit geboten, die Aussprache einzelner Wörter, Sätze und eines ganzen Textes durch verschiedene Lernenden (L2/L3) anzuhören und mit der Zielaussprache von Modellsprecher:innen zu vergleichen. (Aus Datenschutzgründen wird ein Zugang benötigt, den man erhält, wenn man dort auf „solicitud“ klickt.)
Literatur¶
- Benet, Ariadna / Pesková, Andrea (2017): „Cómo reducir el ‚acento extranjero‘ en el ELE“. Der fremdsprachliche Unterricht Spanisch 15 (3), 16–20.
- Bürgel, Christoph / Reimann, Daniel (Hg.) (2017): Sprachliche Mittel im Unterricht der romanischen Sprachen – Aussprache, Wortschatz und Morphosyntax in Zeiten der Kompetenzorientierung. Tübingen: Narr.
- Gabriel, Christoph / Meisenburg, Trudel / Selig, Maria (2025): Spanisch: Phonetik und Phonologie. Eine Einführung. 2. überarbeitete Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto.
- Gil Fernández, Juana (2007): Fonética para profesores de español: de la teoría a la práctica. Madrid: Arco Libros.
- Kanngiesser-Krebs, Gisela (2017): „¿Cómo se dice qué? y ¿qué se dice dónde?“. Der fremdsprachliche Unterricht Spanisch 15 (3), 2–10.
- Kubarth, Hugo (2009): Spanische Phonetik und Phonologie: Segmente – Silben – Satzmelodien. Frankfurt am Main: Peter Lang.
- Pustka, Elissa (2021): Phonetik und Phonologie des Spanischen. Eine korpuslinguistische Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag.
- Quilis, Antonio (1993): Tratado de fonología y fonética españolas. Madrid: Gredos.
- Real Academia Española / Asociación de Academias de la Lengua Española (2011): Nueva gramática de la lengua española. Band 3: Fonética y fonología. Madrid: Espasa Calpe.
- Real Academia Española / Asociación de Academias de la Lengua Española (2010): Ortografía de la lengua española. Madrid: Espasa. Online: https://www.rae.es/ortografía/
- Real Academia Española / Asociación de Academias de la Lengua Española (2005): Diccionario panhispánico de dudas. Madrid: Santillana. Online: https://www.rae.es/dpd/
- Reimann, Daniel (2016): Aussprache im Unterricht der romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch). Münster: LIT Verlag.
- Tacke, Felix (2023ff.): MAR.ELE – Corpus sobre la pronunciación del español por aprendientes de ELE en Marburg. Marburg. Online: https://marele.online.uni-marburg.de
Dieses Kapitel zitieren
Merte, Marlon / Tacke, Felix (2026): „Aussprache“. In: Tacke, Felix (Hrsg.): Linguistik im Spanischunterricht. Ein digitales Lehrbuch für (angehende) Lehrkräfte. Marburg: Universität Marburg.
Online: linguistik.hispanistica.com
DOI: 10.5281/zenodo.15348687